MAYA
Die Maya lebten in Süd und Südost Mexiko (Yucatán) sowie in Teilen von Guatemala, Honduras und Belize. Sie sind ein indigenes Volk bzw. eine Gruppe indigener Völker in Mittelamerika, die insbesondere aufgrund der von ihnen im Präkolumbischen Mesoamerika gegründeten Reiche und ihrer hoch entwickelten Kultur bekannt sind. Berühmt sind die Maya für ihre Mathematik und für ihren hoch entwickelten Kalender, geschrieben in Hieroglyphen. Wichtige Errungenschaften sind der Anbau von Mais, die Entwicklung des sehr präzisen Maya-Kalenders und der Maya-Schrift. Die mittlerweile weitgehend entzifferte Schrift, obwohl auf Bildsymbolen basierend, war mehr als eine reine Ideogrammschrift und stellt das höchstentwickelte (und bis zur Ankunft der Spanier das einzige) Schriftmedium in Altamerika dar. Kunsthandwerk (Bearbeitung von Stein, Keramik, Holz, Textilien) und Malerei waren hoch entwickelt, Metallverarbeitung (Gold, Silber, Kupfer) spielte erst spät und fast nur für rituelle Zwecke eine Rolle, nicht für die Werkzeugherstellung.
INKA
Die Inka waren eine indigene urbane Kultur in Südamerika. Sie herrschte zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert über ein weit umspannendes Reich von über 200 ethnischen Gruppen, das einen hohen Organisationsgrad aufwies. Zur Zeit der größten Ausdehnung erstreckte sich sein Einfluss vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien; ein Gebiet, dessen Ausdehnung größer ist als die Entfernung zwischen dem Nordkap und Sizilien. Entwicklungsgeschichtlich sind die Inka mit den bronzezeitlichen Kulturen Eurasiens vergleichbar. Das rituelle, administrative und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Qusqu (Cusco) im Hochgebirge des heutigen Peru. Die Faszination der Inka-Kultur beruht in erheblichem Maße darauf, dass aus dem europäischen und dem vormalig kolonialen Blickwinkel alle präkolumbischen Kulturen als „primitiv“ eingeordnet werden und deshalb jenen indigenen Kulturen, die eine städtische Kultur mit steinernen Zeugnissen hervorbrachten, besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Inka-Kultur war jedoch eine vorwiegend bäuerliche Zivilisation, die in einer jahrtausendealten Kulturlandschaft auf teilweise bereits seit Generationen entwickelten Agrar-, Kultur- und Herrschaftstechniken basierte und die nur einer sehr kleinen, aristokratischen Herrschaftselite einen aufwendigen, städtischen Lebensstil ermöglichte.
AZTEKEN
Die Azteken gehörten einem der sieben Náhua-Stämme an, die aus dem Gebiet zwischen Nordmexiko und dem Südosten der Vereinigten Staaten stammten. Dieses aus Jägern und Sammlern bestehende Nomadenvolk gelangte unter der Führung von Schamanen, die vom Stammesgott Huitzilopochtli inspiriert waren, gegen Ende des 12. Jahrhunderts zur zentralen mexikanischen Hochebene, wo sie aus der Begegnung mit den Tolteken viele kulturelle Elemente übernahmen. Die Azteken, die inzwischen sesshaft und Gartenbauer geworden waren, gaben ihrer Gesellschaft eine hierarchische Struktur. An der Spitze des Staats stand der Kaiser, der von einem Hohen Rat unterstützt wurde, der seinerseits von den 20 in der Hauptstadt Tenochtitlan ansässigen Clans gewählt wurde. Die einzige Möglichkeit zum Aufstieg der gesellschaftlichen Leiter boten die im Krieg bewiesene Tapferkeit und die Steuereintreibung. Die Kriege waren darauf ausgerichtet, viele Gefangene zu machen. Sie wurden bei Zeremonien geopfert. Auch im religiösen Bereich wurden die alten Einrichtungen grundlegend verändert. Den traditionellen Stammesgottheiten (astrale Gottheiten, die Kriege und die Jagd regelten, wie der Sonnengott Huitzilopochtli oder der Gott des Großen Bären Tezcatlipoca) wurden fremde Gottheiten zugeordnet, wie die Gefiederte Schlange, so dass ein vielfältiges Pantheon und ein polytheistisches System entstanden. Bei Ankunft der Spanier unter der Führung von H. Cortés (1519) erlebte das Aztekenreich seinen glanzvollsten Höhepunkt und bildete unter Motecuhzoma II. den mächtigsten Staat Mittelamerikas. Nur zwei Jahre später wurde Tenochtitlan eingenommen und zerstört. Der junge Kaiser Cuahtemoc, der den Widerstand angeführt hatte, wurde von den Eroberern getötet. Auf den Ruinen der damaligen Hauptstadt entstand die heutige, Mexico City.
